Amtsgericht Freising

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Manfred Kastlmeier und Dr. Christian Seiler (r.) bilanzieren das Gerichtsjahr und werben für das Amt des Schöffen.

Nach einem Dreivierteljahr hat sich Dr. Christian Seiler, der neue Leiter des Freisinger Amtsgerichts, „sehr gut eingelebt“ auf dem Freisinger Domberg. Sein Mitarbeiterstab, so lobt er, habe es ihm aber auch entsprechend leicht gemacht. Die Belastung der Kollegen konnte er freilich auch nicht wahrnehmbar verringern - zumindest aber hat sich die Personalsituation nicht verschlechtert. Auch in jüngster Zeit mussten sich die Richter wieder mit kuriosen Fällen herumplagen.

Manfred Kastlmeier, Richter am Freisinger Amtsgericht, hatte gestern einen ganz speziellen Fall: Eine Verfolgungsjagd der etwas anderen Art! Ein 34-Jähriger hatte sich des Nachts an der Westtangenten-Baustelle unrechtmäßig fünf Kubikmeter Sand für seine private Baumaßnahme organisiert und die mit einem Aufsitzrasenmäher samt Anhänger abtransportiert. Dieses ungewöhnliche Bild ließ eine Polizeistreife stutzen, die den Mann aufhalten wollte. Der aber gab Vollgas und versuchte sich der Kontrolle zu entziehen und brauste mit fünf Stundenkilometern davon, bis ihn ein Beamter zu Fuß überholte und zur Räson brachte. Ein kurioses Bild zweifelsohne, das Kastlmeier da zu bewerten hatte. Der Fall war bei Redaktionsschluss nicht abgeschlossen, belegt aber, dass auch ein Richter bisweilen was zum Schmunzeln hat: „Es muss nicht immer alles ernst und blutig sein. Solche Fälle hat man wirklich selten, und der ist mein Favorit heuer“, so Kastlmeier mit einem Augenzwinkern. Zugegeben: Es sind die Ausnahmen, denn er, Amtsleiter Dr. Christian Seiler und alle Kollegen haben allgemein nicht viel zu lachen, sondern ächzen unter der Arbeitsbelastung. Die ist wenigstens in der Bilanz des abgelaufenen Jahrs 2017 nicht schlimmer geworden, sondern blieb mit 1650 Zivil- und Familienverfahren und 1100 Strafbefehlen und 660 Strafverfahren stabil. Es sind die Betreuungen, die die Bediensteten am meisten beschäftigen: 727 neue Verfahren bedeuten einen Anstieg um sechs Prozent: „Das erfordert großen Aufwand“, erklärt. Dr. Seiler. Und auch das Schöffengericht verzeichnet eine Zunahme von 19 auf 27 Verfahren. Dieses 40-prozentige Plus nützen Seiler und Kastlmeier, um für das Ehrenamt des Schöffen Reklame zu machen. Demnächst enden die Bewerbungsfristen, die einerseits einen Einblick ins Innenleben des Gerichts ermöglichen, aber auch den Bürger „im Namen des Volkes“ in der Justiz verankern sollen: „Die Bevölkerung soll die Rechtsprechung verstehen und integriert werden“, so Kastlmeier, der die Bedeutung dieses Laienamts ausdrücklich betont: „Schöffen werden bei massiven Straftaten bis maximal vier Jahren Höchststrafe eingesetzt und fungieren als vollwertige Richter, die bei einer 2:1-Mehrheit den Profi sogar überstimmen können. Nicht zwingend bei der Strafzumessung, wohl aber bei der Bewertung eines Sachverhalts und der Glaubwürdigkeit der Prozessbeteiligten setzen Kastlmeier und Seiler auf den gesunden Menschenverstand Außenstehender. Maximal 69 Jahre darf der Bewerber zum Schöffen alt sein und nicht vorbestraft. An zwölf Sitzungstagen im Jahr wird er dann eingesetzt und erhält auch eine Aufwandsentschädigung, wenngleich: „Reich wird man damit nicht. Es geht hier eindeutig um eine Kontrolle der Justiz“, so Kastlmeier weiter, der auch darauf hinweist, dass der Arbeitgeber den Ehrenamtler für seine Gerichtsauftritte frei stellen muss. Die Bewerbungen der Schöffen-Interessierten nehmen alle Kommunen im Landkreis entgegen. Die Fristen sind unterschiedlich, aber den jeweiligen Internetauftritten zu entnehmen.

Quelle: freising-online

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