Der Ausbildungsmarkt

Das Problem zu vieler „Leerstellen“

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Hand in Hand versuchen die Protagonisten der Agentur für Arbeit, der Schulen und der Arbeitgeber in Handwerk und Handel, dem Bewerbermangel Herr zu werden. 

„Der Architekt, der Maurer gelernt hat, wird immer ein kompetenter Ansprechpartner sein!“ Dieter Link, Leiter der Berufsschule Erding, brachte hiermit bei der Bilanz zum Ausbildungsmarkt der Agentur für Arbeit Freising die Problematik auf den Punkt. Auch mit gutem Schulabschluss sei der Schritt in eine Ausbildung im Handwerk nur positiv - egal, ob danach noch ein Studium folgen soll oder nicht. Es ist nach wie vor die Kehrseite der Medaille Vollbeschäftigung in den Geschäftsbereichen Freising, Erding, Dachau und Ebersberg: Die Betriebe bekommen ihre Ausbildungsplätze nicht gefüllt, so mancher erhält auf fünf ausgeschriebene Stellen nicht eine einzige Bewerbung.

Für die Region ein Standardproblem, gegen das neben der Agentur für Arbeit Schulen, aber auch das Handwerk und die Industrie- und Handelskammer wie gegen Windmühlen kämpfen. Denn dass diese Akteure dennoch so effizient wie möglich gegen die „Leerstellen“misere kämpfen, betonte Harald Brandmeier, Teamleiter in der Freisinger Agentur, ausdrücklich. Die Zahlen des Berichtsjahrs 2017/18 sind im Arbeitsamtsbereich Freising mit den Regionen Freising, Erding, Dachau und Ebersberg weiter auf konstant hohem Niveau: 3310 gemeldeten Ausbildungsstellen stehen 2994 Bewerber gegenüber (Freising 1205/1047, Erding 716/710, Dachau 554/575, Ebersberg 835/662). 

Der „Wermutstropfen“, wie Karin Weber, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Freising, formulierte, liegt indes darin, dass dennoch deutlich mehr Stellen offen blieben als die Differenz: Der gesamte Bereich verzeichnet 594 offene Stellen, davon in Freising 210, in Erding 98, in Dachau 115 und in Ebersberg 171. „Die Betriebe sind sehr enttäuscht, denn die Wirtschaft boomt ja unverändert“, hat Freisings Kreishandwerksmeister Martin Reiter erfahren: „Wir wissen nicht, wie wir die sinkenden Bewerberzahlen in den Griff kriegen sollen. Das ist deprimierend.“ Und tatsächlich: Karin Weber lobte die hohe Ausbildungsbereitschaft der Betriebe explizit. Reiter kämpft mit seinen Kollegen Rudolf Waxenberger aus Erding und Johann Schwaiger aus Ebersberg und Ehrenkreishandwerksmeisterin Irmgard Hetzinger-Heinrici aus Dachau seit Jahren dafür, die Attraktivität des Handwerks zu erhöhen.

Eine mühselige Aufgabe, denn - auch da waren sich die Vertreter der Schulen und der Ausbilderseite einig: Die Eltern tragen eine gehörige Mitschuld: „Die überhöhte Erwartungshaltung ist ein echtes Problem. Auch im Handwerk kann doch hohes Ansehen erreicht werden“, sagt Bernhard Kindler vom Freisinger Schulamt. Sein Dachauer Kollege Albert Sikora wird deutlicher: „Nach der vierten Klasse muss der Übertritt ins Gymnasium her, sonst ist alles verloren - genau von diesem Denken müssen wir Eltern wie Kinder abbringen. Beratungsresistente Schüler gibt es kaum, da müssen wir an die Eltern ran.“ Und hier schließt sich der Kreis wieder bei Dieter Link, der die Vorzüge einer Ausbildung hervorhebt, dabei ein anschließendes Studium aber keineswegs ausschließt. 

Das Handwerk („kann so manchen Akademiker beim Verdienst abhängen“), darauf wies Waxenberger perspektivisch hin, biete gerade in den kommenden Jahren immense Chancen, denn viele Betriebe stehen zur Übernahme an: „Natürlich müssen die Bewerber sich dafür das nötige Rüstzeug angeeignet haben.“ Unterm Strich bleibt trotz allen Jammerns auf hohem Niveau eine positive Bilanz, daran ließ Florian Kaiser von der IHK keinen Zweifel: „Viele Dinge laufen hier sehr sehr gut im Vergleich zu anderen Bundesländern!“

Quelle: freising-online

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