Freie Wähler

Diskussion mit Experten über Bienenschutz

Das Bild zeigt den Landtagsabgeordneten Benno Zierer und die FW-Kreisvorsitzende Maria Scharlach mit den Teilnehmern der Diskussionsrunde, Johann Jositz vom Kreisverband Bayerischer Bienenzüchter (l.) und Bio-Landwirt Michael Popp (r.)

Landwirte, Kommunen, Gartenbesitzer – sie alle können etwas tun, um die Lebensbedingungen für Insekten zu verbessern. Das war das Fazit einer Diskussionsrunde der Landtagsfraktion der Freien Wähler im Langenbacher Bürgersaal.

 „Bienen schützen – Landwirtschaft stärken“ lautete der Titel der Veranstaltung. Dabei ging es aber nicht nur um die Honigbiene, sondern um Wildbienen, Hummeln und andere bestäubende Insekten. „Die Honigbienen sterben nicht aus, so lange es fürsorgliche Imker gibt“, betonte Johann Jositz, Kreisvorsitzender des Verbandes Bayerischer Bienenzüchter. Für das „Bienensterben“, das in den Medien heiß diskutiert werde, sei zu 90 Prozent die Varroa-Milbe verantwortlich. „Das ist eine Herausforderung für die Imker, aber sie lässt sich bewältigen“, erklärte Jositz. Schlechter bestellt ist es um Wildbienen, die als Bestäuber vieler Pflanzenarten ebenso wichtig sind. Das machte der Landtagsabgeordnete Benno Zierer deutlich. Von den über 500 Arten in Bayern sind laut „Roter Liste“, die allerdings schon 15 Jahre nicht aktualisiert wurde, 40 bereits ausgestorben, 79 vom Aussterben bedroht und 61 stark gefährdet. Als Gründe nannte Zierer unter anderem Klimawandel und Verschlechterung der Lebensräume. Das konnte Jositz bestätigen: „Unsere Landschaft hat sich zum Nachteil für die Insekten verändert.“ Wiesen würden intensiv gemäht, Ackerwildkräuter verdrängt. Verändert hätten sich auch die Ortschaften auf dem Land, ergänzte der Öko-Landwirt und Bio-Imker Michael Popp. „Wir sind zu sauber erzogen“, warf er ein. Früher habe es mehr alte Häuser mit Mauerrissen und Holzbalken gegeben, die als Rückzugsort für Wildbienen dienten. Der Pestizideinsatz in der Landwirtschaft wurde nicht als vordringlichstes Problem gesehen. „Wenn man Pflanzenschutzmittel einsetzt, muss man sie richtig einsetzen“, betonte Popp. Dafür seien Landwirte gut genug ausgebildet. Entscheidend sei, die Lebensräume zu verbessern, da waren sich Zierer, Jositz und Popp einig. „Wir brauchen wieder mehr Unordnung in der Landschaft“, fasste Zierer zusammen. Es sollten mehr Hecken gepflanzt werden und dort Totholz liegen bleiben. „Dann brauchen wir daneben kein Insektenhotel aufstellen.“ Es gebe zwar gute Fördermöglichkeiten für Maßnahmen, die der Artenvielfalt dienen, zum Beispiel im Vertragsnaturschutz. „Aber der bürokratische Aufwand schreckt viele Landwirte noch ab“, befand der Abgeordnete. Förderungen gibt es auch für das Anlegen von Blühflächen, von denen immer mehr zu sehen sind. „Das wird weiter zunehmen, solange der Getreidepreis niedrig ist“, prophezeite Imker Jositz, der früher Leiter des Landwirtschaftsamtes Erding war. Viel Potential sieht er beim Waldumbau, 18 Prozent des Landkreises Freising sind bewaldet. Blühende Linden könnten Baume ersetzen, die für Bienen nichts bringen. Einig war sich die Podiumsrunde, dass private Gartenbesitzer und vor allem Kommunen einen wichtigen Beitrag leisten können, damit es auf ihren Flächen summt und brummt. Zierer stellte das Konzept der „Eh da-Flächen“ vor. Wissenschaftlich begleitet werden ungenutzte Feldraine, Böschungen oder Straßenränder zu Lebensräumen für Wildbienen umgestaltet. Vier bis fünf Prozent der Agrar- und Siedlungsflächen kämen infrage. Die Freien Wähler hatten im Landtag gefordert, dass die Staatsregierung dieses Konzept fördert und bei den Kommunen verbreitet – das wurde jedoch abgelehnt. Viel Potential wurde bei Flächen gesehen, die als Ausgleich für Baumaßnahmen ökologisch aufgewertet werden müssen. Erhebungen in anderen Landkreisen haben ergeben, dass nur ein Viertel der Flächen die Standards erfüllt. Da schaltete sich Langenbachs Altbürgermeister Josef Brückl ein. 9,6 Hektar zusammenhängende Ausgleichsfläche habe er geschaffen und Blühflächen angelegt. „Da findest du heute keine Blüte mehr.“ Ausgleichsflächen würden oft nicht richtig gepflegt, die Landratsamt hätten keine Stellen, um das zu kontrollieren. „Hier haben die Gemeinden eine große Verantwortung“, sagte Brückl.

Quelle: freising-online

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