„Fehlbeleger“

Eine Bleibe für Javad

Diese Familie lebt auf 20 Quadratmetern! Javad Poor Karim mit seiner Frau Fatime und den beiden Töchtern suchen eine Wohnung.

Javad Poor Karim hat es geschafft! Er ist mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern als Asylant anerkannt und darf in Deutschland bleiben. Jetzt kommt der nächste Schritt, und der macht der iranischen Familie aktuell so große Sorgen. Als anerkannte Flüchtlinge steht die Flüchtlingsunterkunft in Eching nicht mehr als Wohnraum zur Verfügung. Alle vier hätten das Haus im Gewerbegebiet zwischen Neufahrn und Eching längst verlassen müssen. Die Schonfrist läuft jetzt endgültig ab - doch wohin soll Javad Poor Karim mit seiner Familie jetzt?

Sechs Monate ist die jüngste Tochter der Familie Poor Karim erst alt, die „Große“ grade mal sieben Jahre und in der Schule bestens integriert. Das ist nur einer der Gründe, warum die vierköpfige Familie eine Wohnung in Freising oder der Nähe des Stadtgebiets finden muss. Auch das Familienoberhaupt Javad Poor Karim hat den Bezug zur Domstadt, ist im Freisinger Parkcafé sozialversicherungspflichtig angestellt. Und er ist zuverlässig, kommt nicht zu spät. Das soll auch so bleiben, doch der Weg zur Arbeitsstelle könnte sich jetzt enorm erschweren. Die Familie wurde als Flüchtlinge anerkannt und muss deshalb aus der Unterkunft Eching raus. Die vier sind Fehlbeleger! Sabine Berenbold-Dieck ist in der Flüchtlingsarbeit in Freising tätig und am Verzweifeln. Sie sucht im Auftrag der Familie eine geeignete Wohnung. Ohne jeden Erfolg! „Bisher hat kein Vermieter auf meine Anfragen reagiert. Die Familie muss unbedingt im Stadtgebiet oder S-Bahn-Nähe wohnen, denn der Job ist ja essentiell für ihren Lebensunterhalt.“ Auch mit Fahrrad würde Javad Poor Karim zum Parkcafé fahren, doch das ist beispielsweise aus Mauern nicht möglich. Dort hätte Sabine Berenbold-Dieck eine Option aufgetrieben, die jedoch schlicht zu weit entfernt ist. Da er zumeist von 16 bis 22 Uhr arbeitet, käme er nicht mehr zurück. Marzling, Hohenbachern - alles, was mit dem Rad erreichbar ist, wäre ein Segen für die Familie, die ohne Wohnung um ihre Zukunft in Deutschland bangt. Irgendwo an der S-Bahn-Linie sowieso: Neufahrn, Eching, Lohhof! Da der Erwerb des Führerscheins für Javad Poor Karim ob der Sprachbarriere eine bislang noch nicht unüberwindbare Hürde darstellt, muss es aktuell eine Arbeitsplatz-nahe Wohnung werden. Zusammen mit seinem Deutsch sprechenden Freund ist Poor Karim aber bereits in der Führerschein-Vorbereitung. Und überhaupt die Sprache: „Er versteht viel mehr als es scheint“, sagt Sabine Berenbold-Dieck, und wie zur Bestätigung nickt der Angesprochene. Allein: Er traut sich noch nicht so recht. Trotz aller Zurückhaltung hat sich der Kurde, der im Iran wegen seiner Ethnie stets zu einer verfolgten Randgruppe gehörte, mit seiner Familie aufgemacht. Raus aus dem Iran, weg von der Verfolgung. Wegen Beteiligung an einer Demonstration wurde die Familie schikaniert. Ein Mädchen war zu Tode gekommen - sie sollte als „Belohnung“ für gesellschaftliche Vorteile ihren Peinigern zu Willen sein und entschied sich für den Freitod. Menschen gingen deshalb auf die Straße - kann man machen, wenn man kein Kurde ist. Das Leben der Familie Poor Karim findet nun also auf 20 Quadratmetern statt, wenigstens ein eigenes Klo hat die Familie nun. Doch der Traum geht natürlich weit darüber hinaus: Nur in Ruhe leben, vielleicht im erlernten Job als Abfüller - früher bei Coca Cola, bald vielleicht bei einer Brauerei? - arbeiten und eine Zwei- bis Drei-Zimmer Wohnung ab 60 Quadratmetern. Wer einen Hinweis geben kann oder sogar eine Wohnung vermieten könnte, meldet sich bei Sabine Berenbold-Dieck unter der Mailadresse sbd@fluechtlinge-willkommen-in-freising.de. Sie kann jede Unterstützung gut brauchen, denn „ich habe noch so viele Menschen, die unsere Hilfe benötigen.“

Quelle: freising-online

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