Archäologischer Verein

Exponate aus dem Landkreis in Berlin

Das Bild von der Abholung der Funde zeigt v.l.n.r. Bürgermeister Georg Krojer (Mauern), Lorenz Scheidl (Vorsitzender des Archäologischen Vereins) und Florian Bichlmeier (Stellvertretender Vorsitzender).

Archäologische Funde auf große Fahrt. Anlässlich des Europäischen Kulturerbejahres 2018 zeigen das Museum für Vor- und Frühgeschichte Berlin und der Verband der Landesarchäologen im Berliner Gropiusbau die Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“. Mit dabei sind Funde aus den Grabungen des Archäologischen Vereins im Landkreis Freising.

Archäologische Funde aus dem Landkreis Freising sind derzeit im Berliner Gropiusbau in der Ausstellung „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ zu bewundern. Digitale Kommunikations- und schnelle Transportmöglichkeiten bringen die Menschen immer enger zusammen und lassen die Globalisierung als modernes Phänomen erscheinen. Tatsächlich aber ist die überregionale Vernetzung mit allen ihren Auswirkungen seit jeher ein fester Bestandteil der Gesellschaft und beeinflusst das Leben der Menschen seit prähistorischer Zeit grundlegend. Täglich machen Archäologen Entdeckungen, die dies eindrucksvoll belegen. „Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland“ präsentiert die spektakulärsten archäologischen Neufunde der vergangenen 20 Jahre von der Steinzeit bis ins 20. Jahrhundert. An Hand der vier Themen Mobilität, Konflikt, Austausch und Innovation werden mit über 1000 Exponaten die Folgen überregionaler Interaktion auf persönlicher, wirtschaftlicher und kultureller Ebene erfahrbar gemacht. Im Zentrum der Ausstellung steht im Lichthof des Gropius Baus die Hafenmauer des römischen Köln, die in den letzten Jahren durch den Bau der Kölner U-Bahn freigelegt wurde. 

Die mächtigen Überreste einer dreieinhalb Meter hohen Spundwand aus fast 2000 Jahre alten Eichenbohlen werden zusammen mit tausenden Scherben aus dem Hafenbecken präsentiert. Am 22. August wurden im Beisein des Mauerner Bürgermeisters Georg Krojer drei Kisten mit Funden aus dem Landkreis Freising nach Berlin geschickt: In Niederhummel entdeckten Mitglieder des Archäolgischen Vereins einen Siedlungsplatz der ältesten Bandkeramik. Nach einer ersten Ausgrabung im Jahr 1990 wurden im Jahr 2008 in Zusammenarbeit mit der Universität Cardiff weitere archäologische Ausgrabungen vorgenommen, welche mit umfangreichen naturwissenschaftlichen Untersuchungen begleitet wurden. Im Rahmen dieser Untersuchungen konnte der Beginn der ersten fassbaren Siedlung in Niederhummel auf 5300 v.Chr. datiert werden. Damit liegt mit Niederhummel das älteste derzeit im Isarraum bekannte Inventar dieser Kultur vor. Beim Fundmaterial fiel alsbald auf, dass die Konzentration von Steinartefakten überaus groß war. Binnen kürzester Zeit konnten 300 Silices geborgen werden. Dagegen fehlt Felsgestein völlig. 

Beachtlich ist, dass das Silexinventar noch mesolithische Traditionen erkennen lässt. Zu rund 90 Prozent wurde jurassischer Hornstein verarbeitet. Als Besonderheit sticht ein Szentgál- Radiolit aus dem Bakony- Gebirge nördlich des Balaton heraus. Beeindruckend war auch die Menge und Vielfalt der geborgenen Keramik. Mit 285 bestimmbaren Gefäßformen stellt Niederhummel das bislang umfangreichste ältestbandkeramische Inventar in Altbayern dar. Kumpfartige Gefäße und zahlreiche Grobkeramik bildeten den Schwerpunkt beim keramischen Fundgut. Daneben traten auch einige Fußschalen auf sowie eine verzierte Flasche mit zwei Ösenhenkelreihen. Ein geringer Anteil der Keramikfunde ist verziert. Außergewöhnlich ist der Umstand, dass die Keramik in Niederhummel in hohem Maße regionalspezifische Charakteristika aufweist. Fundplatztypisch ist für Niederhummel ein Hakenmotiv, das sonst nur noch in Altdorf bekannt ist. Von besonderer Bedeutung ist auch die Ornamentik an einer Flasche, die eine Interpretation des Fundobjektes als Figuralgefäß nahe legt. In Niederhummel finden sich Zeugnisse von einem der wichtigsten kulturellen Umbrüche in der Geschichte der Menschheit. 

Mit der Bandkeramik, deren Anfänge ca. 5600 v. Chr. im Westen Ungarns und der angrenzenden südwestlichen Slowakei zu suchen sind, vollzog sich die Sesshaftwerdung des Menschen und die Begründung von Ackerbau und Viehzucht. Auffallend ist die zunächst stark ideologisierte Lebensweise. Erst mit der weiteren Expansion der bandkeramischen Kultur erfolgt nach und nach eine regionale Differenzierung. Wie bei allen gravierenden kulturellen Umbrüchen stellt sich auch hier die Frage, ob dieser Umbruch durch durch Einwanderung hervorgerufen wurde oder die neue Kultur von der einst mesolithischen Bevölkerung getragen wurde. Eventuell kann auch an Niederhummel eine zwischen diesen Theorien vermittelnde Auffassung belegt werden, wonach, wie an den Silices erkennbar ist, durchaus noch fassbare mesolithische Traditionen für eine gewissen Kontinuität der Bevölkerung sprechen. Andererseits spricht die unglaublich rasante Ausbreitung der Kultur für eine Einwanderungswelle. Das sog. Brotlaibidol vom Freisinger Domberg Das Jahr 1972 markiert den Neubeginn der ehrenamtlichen Bodendenkmalpflege, welche nach dem umfangreichen Wirken des Freisinger Prof. Josef Wenzl (1858- 1923) praktisch zum Erliegen gekommen war. Der bevostehende Abriss des Philipschlosses auf dem Domberg veranlasste einen kleinen Kreis um den späteren Kreisheimatpfleger Erwin Neumair zu archäologischen Untersuchungen, welche zu sensationellen Ergebnissen führen sollten. 

Die Ausgräber stießen auf eine mächtige Kulturschicht, die zahlreiche Artefakte der Frühbronzezeit beinhaltete. Es ist davon auszugehen, dass die bronzezeitliche Höhensiedlung auf dem heutigen Domberg eine bedeutende Siedlung mit überregionaler Bedeutung gewesen ist. Zu den merkwürdigsten Funden vom Freisinger Domberg gehört das sog. Brotlaibidol. Es handelt sich dabei um ein Keramikartefakt, das die Form eines Brotlaibes aufweist . Der Zweck der von Italien bis Polen vorkommenden, „Brotlaibidole“ genannten Keramiktäfelchen ist unbekannt – daher rührt auch ihr italienischer Name: tavolette enigmatiche (rätselhafte Täfelchen). Alle diese Täfelchen sind ähnlich verziert und zeigen parallele Linien, in die an bestimmten Positionen Stempel eingedrückt wurden. Womöglich dienten sie in einer noch schriftlosen Kultur der Registratur von Waren und gleichen in ihrer Funktion damit den vorderasiatischen Keilschrifttäfelchen. Art und Anzahl der Waren könnten mittels der Stempel festgehalten worden sein. Funde des Frühmittelalters aus Mauern Im Bereich Mobilität der Ausstellung steht der Mensch im Vordergrund, der aus den verschiedensten Gründen allein oder in großen Gruppen auf kurzen Wegen oder langen Strecken unterwegs war und dessen Wege durch seine Hinterlassenschaften greifbar sind.

 Für diesen Bereich wurden die Funde aus dem Mauerner Ortsteil Alpersdorf ausgewählt. Der Neubau des Feuerwehrhauses machte im Jahr 2001 eine umfangreiche archäologische Ausgrabung erforderlich, bei der neben den erwarteten neolithischen und bronzezeitlichen Funden überraschenderweise auch ein frühmittelalterliches Fundgut ergraben werden konnte. Zunächst kam eine kleine Menge Quecksilber zum Vorschein. Unmittelbar daran anschließend wurden sodann ein goldener Fingerring und ein silberner Trompetenarmreif entdeckt. Es folgten zwei fest von Rost eingeschlossene Stücke, die sich bei der Restaurierung als eiserne Messer und eine eiserne, messingtauschierte Riemenzunge herausstellten. Das frühmittelalterliche Funinventar gibt noch in vielen Belangen Rätsel auf. Zeitlich dürfte es sich der zweiten Hälfte des 7. Jahrhunderts n. Chr. zuordnen lassen. Weithin werden die Mauerner Funde als ein Grabinventar gedeutet. Möglicherweise war an diesem Standort aber auch ein entsprechender Herstellungsbetrieb. Die Ornamentik des Ringes weist jedenfalls deutlich nach Osteuropa, eventuell Ungarn. Die Formensprache des Ringes ist byzanthinisch oder awarisch. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Quelle: freising-online

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