Volksfestbilanz

Viel Partyvolk und ein paar Idioten

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Ernst Neuner, Chef der Polizeiinspektion Freising, ist genervt von der sprunghaft angestiegenen Gewaltbereitschaft, die er auf dem Freisinger Volksfest bilanzieren musste. Lösungsansätze müssen jetzt diskutiert werden. 

Er hatte noch gar nicht geschlafen! Max Riemensperger, Wirt der Weinhalle auf dem Freisinger Volksfest, war am Montag nach dem finalen Sonntag ein wenig von Schwermut befallen: „Wenn Du morgens über den Platz gehst und die Menschen siehst, die noch Aufräum- oder Vorbereitungsarbeiten leisten - da ist einfach erkennbar, dass sie es gern machen. Alle arbeiten dafür, dass so viele Familien dann ihre Freude am Freisinger Volksfest haben.“

Die Bilanz der tollen Tage enden schon traditionell in gegenseitigem Dank, dass alles so reibungslos geklappt hat. Das war auch heuer so, dennoch waren Festwirte, Brauereivertreter, Ordnungshüter, Rettungskräfte und die Vertreter der Stadt heuer nicht ganz so gut drauf. Rekorde gab es nämlich auch beim 89. Freisinger Volksfest. Sie befanden sich in der Bilanz, die der Freisinger Polizeichef Ernst Neuner mit ins Rathaus gebracht hatte. Körperverletzungen, Sachbeschädigungen, Diebstahl - in allen Deliktbereichen wurden teilweise gravierende Steigerungen im Vergleich zum Vorjahr konstatiert. Keiner einzigen gefährlichen Körperverletzung aus 2017 stehen fünf aus den vergangenen Tagen gegenüber, und zwei Kollegen wurden überdies von streitlustigen Festbesuchern attackiert.

 Einer ist mit einer Kehlkopfquetschung nach wie vor dienstunfähig. „Einen Maßkrugschlag habe ich im Zelt noch nie erlebt. Ich bin schockiert“, sagt Festwirt Ludwig Tauscher, seines Zeichens ein alter Hase im Geschäft. Zwei Mal musste ein Maßkrug als Schlagwerkzeug herhalten in der Luitpoldanlage, was heuer für eine neue Dimension an Gewaltbereitschaft spricht. Wie Ernst Neuner erklärte, stehen in beiden Fällen sogar versuchte Tötungen im Raum. Schlüssige Erklärungsansätze für diese Entwicklung hat der Experte in Uniform keine parat, allerdings hat er früh „eine aggressive Grundstimmung erkannt. Jugendliche waren regelrecht auf der Suche nach Opfern - die waren auf Ärger aus.“ 

Besonders ein 14-jähriger Intensivtäter, der des Geländes verwiesen wurde und danach unverdrossen in der Innenstadt für Ärger sorgte, fiel dabei auf. Über präventive Betretungsverbote vor dem Fest und 15 weitere im Verlauf wurde die Lage sogar noch entspannt, denn, wie Neuner aus seinem Erfahrungsschatz verriet, bleiben dann auch oft 20 aus dem Dunstkreis des „Pappenheimers“ dem Fest fern, was die Brisanz weiter mindert. Zwar sei das Freisinger Volksfest traditionell eher harmlos, dem Vergleich mit dramatischeren Veranstaltungen der weiteren Region will sich Neuner aber gar nicht stellen: „Ich habe den Anspruch an mich und die Polizei Freising, dass es hier ruhig ist und die Bevölkerung sorgenfrei aufs Volksfest gehen kann.“ 

Genau die aber dürfte bei der 90. Auflage im kommenden Jahr unter Einschränkungen zu leiden haben, was wiederum Freisings Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher gründlich ärgert: „Nur weil sich ein kleiner Bruchteil nicht zu benehmen weiß. Das ist unfair!“ Ihm springt Riemensperger zur Seite: „10000 feiernde Menschen leiden dann unter fünf Idioten.“ Nun soll ein runder Tisch eingerichtet werden, der die Ordnungshüter, die Stadt und den Landkreis zusammen bringen soll und an dem analysiert wird, welche Maßnahmen getroffen werden können.

Quelle: freising-online

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