SG Eichenfeld Freising

Kicker kämpfen um ihren Kameraden

Jamil Toure soll innerhalb eines Monats zurück in sein Heimatland Mali. Seine Fußball-Kameraden machen mobil.

Was war denn das für ein Geburtstag? Zum 22. Wiegenfest bekam Jamil Toure Post. Auf den Inhalt hätte er gern verzichtet: Der Malier soll binnen 30 Tagen Deutschland verlassen. Seine Sportsfreunde von der Freisinger SG Eichenfeld machen jetzt mobil, um ihren Kumpel behalten zu können.

„Lasst uns alles vergessen und Fußball spielen!“ Das stand auf Jamil Toures Zimmertür in der Flüchtlingsunterkunft in München. Seine Mannschaft bezeichnet er als Familie. Jamil Toure, ein Fußballer aus Mali der SG Eichenfeld Freising, soll Deutschland verlassen und abgeschoben werden. Sportlich gesehen hat die SG Eichenfeld im vergangenen Halbjahr nochmal ihre Ziele erreicht und den Abstieg aus der A-Klasse gerade so vermieden. Daran hatte der quirlige Toure in seinen sechs Einsätzen einen gewichtigen Anteil. Aber jetzt! Es besteht die dringende Gefahr, dass Toure bald nicht mehr bei der SGE auf Torejagd geht. Und das liegt nicht daran, dass ihn ein höherklassiger Verein verpflichten möchte. Toure kommt aus Mali. Der Flüchtling soll das Land verlassen, und das wollen seine Teamkameraden unbedingt verhindern. Der Malier wurde am vergangenen Montag 22 Jahre alt und lebt in München in einer Flüchtlingsunterkunft. In Mali fühlte er sich nicht mehr sicher und hatte dort keine Familie mehr, er musste sich im jungen Alter alleine durch die Welt kämpfen. Seine Eltern verlor er im Alter von elf Jahren - beide wurden erschossen. Es ist dem jungen Asylbewerber anzusehen, dass er nur ungern über das Thema reden will. Und jetzt natürlich noch weniger, denn Ende Juli erhielt er vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge den Brief, dass er freiwillig innerhalb von 30 Tagen das Land verlassen soll. Toure verstand den Brief zunächst gar nicht. Er schickte Bilder an Trainer und Mannschafts-Kollegen. Auf den Schock folgte die Erkenntnis: „Wir müssen schleunigst etwas unternehmen“, so formuliert es Cheftrainer Dennis Magro. Er hatte Toure aus Aschheim mit in die Domstadt gebracht. „Wir werden jetzt klagen“, plant Abteilungsleiter Thomas Kaiser. Doch das kostet Geld! Geld, das Toure nicht hat und das seine Vereinskollegen nun auftreiben wollen: Jeder Spieler gab freiwillig - „manch einer sogar noch mehr als ihm zur Verfügung steht“, berichtet Kaiser. Damit wird jetzt der Anwalt angezahlt. „Es geht mir nicht so gut, ich kann nicht gut schlafen. Nur beim Fußballspielen geht es mir gut“ Der Fall zeigt, dass neben de, sagt Jamil Toure, und auch seine beiden Coaches Magro und Markus Ujwari machen einen nachdenklichen Eindruck: Der Verein investiere viel Zeit in die Integration - und nun soll Toure gehen. „Er ist zuverlässiger als manch Einheimischer“, urteilen die Trainer. Der Sport, der Tabellenplatz in der A-Klasse, er tritt in den Hintergrund: „Wir brauchen ihn, vor allem als Menschen! Wir werden nicht nur auf dem Platz sondern auch neben des Platzes für ihn kämpfen! So leicht lassen wir unseren Freund nicht gehen!“

Quelle: freising-online

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