"Jetzt red i" in Attaching

Keine "bahnbrechenden" Neuigkeiten

Freisings Bürgermeisterin Eva Bönig fand klare Worte: „Für uns ist Schluss!“

Viele Freunde hat sich Bayerns früherer Wirtschaftsminister Erwin Huber (Foto) am vergangenen Mittwoch nicht gemacht in Attaching, als beim BR-Fomat „Jetzt red i“ zum 25. Geburtstag des Münchner Flughafens das Thema Dritte Startbahn auf der Agenda stand. Damit war auch nicht zu rechnen - die Fronten der Befürworter und Gegner bleiben verhärtet. Ohne weitere Erkenntnisse!

Eine „hitzige Diskussion“ hatte Tilmann Schöberl angekündigt und auf das Digitalthermometer verwiesen: 32 Grad wies die zum TV-Studio umfunktionierte Sporthalle des BC Attaching auf, als der BR-Moderator sein Publikum auf die folgende Sendung einstimmte. Thema: Dritte Startbahn! Und das in der Höhle der Attachinger Löwen, die die Diskutanten, das CSU-Urgestein Erwin Huber und den Grünen-Landtags-Fraktionschef Ludwig Hartmann naturgemäß mit unterschiedlicher Sympathie empfingen. „Geholfen“ hat dem bekennenden Runway-Befürworter Huber sein Parteifreund, Heimatminister Markus Söder am Nachmittag bei den Feierlichkeiten zum 25. Geburtstag des Flughafens FJS: Wenn die Dritte Startbahn nicht komme, sei das eine Sünde an Bayerns Zukunft. Die Bevölkerung Attachings (exakt 1083) fand diese Prognose wenig erheiternd, ebenso wie das „Jubiläum nicht nur Grund zum Feiern“ sei, wie Schöberl einleitete. Der Protest gegen Erwin Huber blieb sehr zivilisiert, allein Attachings Speerspitze Ludwig Grüll ging in die Vollen und fragte Huber: „Die Bevölkerung soll aus Attaching vertrieben werden. Ist das das ‚Näher am Menschen‘ der CSU?“ Damit sprang Grüll der im Einspieler vorgestellten Familie Riesch zur Seite, die sich „seit zwölf Jahren in einem Hoffen und Bangen“ befinde. Hubers Bedauern für die Situation der Rieschs erntete höhnisches Gelächter, ebenso wie seine MUC II-Bilanz: „Die Entwicklung des Flughafens hat alle Erwartungen übertroffen.“ Sein Antagonist Hartmann konterte: „Gekauftes Wachstum: Der Flughafen investiert, um neue Airlines zu holen und dann daraus zu schließen, dass eine neue Startbahn benötigt wird.“ Auf die infrastrukturelle Sackgasse wies der Moosburger Stadtrat Jörg Kästl (ödp) hin: „Die Region steht vor dem Kollaps! Wir wissen doch heute schon, dass wir die Nachfrage nicht mehr bewältigen werden können. Wo sollen Kindergarten-, Tagesstätten- und Schulplätze her kommen?“ Denn natürlich brächte ein Flughafen-Ausbau neue Arbeitsplätze, allein: Wo sollen die zusätzlich benötigten Kräfte denn noch hin? Freisings Bürgermeisterin Eva Bönig (Grüne) positionierte sich ebenso klar wie drastisch: „Wir können doch jetzt schon keinen Wohnraum mehr ausweisen. Unsere Kinder haben keine Zukunft mehr! Es ist nicht kurz vor, sondern es schlägt gleich zwölf. Wir wollen keine Dritte Startbahn!“ Auch räumlich auf Erwin Hubers Seite hatten sich offensichtlich die Befürworter des Ausbaus versammelt. Mitarbeiter am Flughafen, die ihre persönliche Situation schilderten, aber auch mit Erfahrungswerten aufwarteten: Tuncay Enes, Slot-Manager am Airport, müsse immer mehr Airlines abweisen, weil er keinen Platz mehr zur Verfügung habe. Durchaus auch eine Chance, fand Ludwig Hartmann, denn „wir müssen umdenken und die Flüge auf die Schiene bringen!“ Nicht zuletzt aus ökologischen Ursachen, wie Wolfgang Herrmann, Zweiter Vorsitzender des Freisinger Bürgervereins, mahnte: „Täglich werden 500000 Liter Kerosin verbrannt. Und die ultrafeinen Partikel belasten die Umwelt!“ Beide Parteien brachten ihre Argumente aufs Tablett, nahmen sie um 21.02 Uhr aber auch wieder mit nach Hause. „Bahnbrechend“ Neues erbrachte die Diskussion auf der Mattscheibe, aber auch parallel online mit Administratorin Franziska Storz vom Bayerischen Rundfunk nicht.

Quelle: freising-online

Auch interessant:

Meistgelesen

"Amanda packt aus"
"Amanda packt aus"
Die neue Heimat in der Rotkreuzstraße
Die neue Heimat in der Rotkreuzstraße
Sammeln und gewinnen!
Sammeln und gewinnen!
Tekalomba und die Schmalspurindianer
Tekalomba und die Schmalspurindianer

Kommentare