Anderl Schranners Notenheft

Der Zwiefache lebt!

Welch Kleinod! Nandlstadts Kulturreferent Rainer Klier (l.) und sein Bürgermeister Jakob Hartl (r.) mit Anderl Schranners Nachfahre Waldemar.

a, es hat schon ein wenig gedauert, doch macht das Ergebnis die knapp zweieinhalb Jahre Wartezeit verschmerzbar: Im Rathaus der Marktgemeinde wurde unter der Woche eine ganz besondere Publikation vorgestellt. Bei der 1200 Jahr-Feier 2015 tauchte ein echter Schatz auf, der nun als Hochglanzbroschüre bei der Gemeinde zu erwerben ist: Es handelt sich um das Vermächtnis des legendären „Schranner Anderl“, eines Schuhmachers und Volksmusikanten.

73 Zwiefache hat er in einer Kladde verewigt, ein Hochgenuss für Musikfreunde. Und für Liebhaber der Historie - wie Kreisheimatpfleger Rudolf Goerge, der sich ob des besonderen Anlasses nach Nandlstadt aufgemacht hat und den Schranner Anderl als hochbegabten Musiker schilderte: „Hat alles gekonnt und war überall unterwegs.“ Die Publikation aus dem Besitz des Nandlstädters Waldemar Schranner, die nach ihrem Auftauchen von Experten auf ihre Einzigartigkeit geprüft worden war, soll nun als Inspiration für Volksmusikfreunde fungieren. Musikwissenschaftler Dr. Elmar Walter riet darob, „kreativ mit dem Heft umzugehen. Hier handelt es sich um ein immaterielles Kulturerbe!“

„Unendlich viele Zwiefache“ hat Anderl Schranner, der Schuhmacher aus Nandlstadt, komponiert, berichtet Freisings Kreisheimatpfleger Rudolf Goerge. Und er hat sie aufgeschrieben, was dem Markt Nandlstadt nun zu einer echten historischen Rarität verhilft: Das Notenheft Schranners war im Rahmen der 1200 Jahr-Feier der Marktgemeinde vor zwei Jahren im Besitz Schranners Nachfahren Waldemar aufgetaucht und ist nun als Inspiration für Volksmusiker im Rathaus erhältlich. 73 Zwiefache sind in dem Büchlein aufgezeichnet - und das in einer Qualität, „dass sie jeder lesen und spielen kann“, so Goerge. Ganz zur Freude von Hans Laschinger, der mit seiner Ampertaler Kirtamusi die Präsentation begleitete und Goerges Thesen bestätigte: „Auch meine Mutter ist eine geborene Schranner“, sagte Laschinger und stützte so die Aussage, dass es in der Hallertau Hunderte von Schranners gebe - „eine wirkliche Musiksippe!“ Anderl Schranner, der Star des Abends, wurde im Jahr 1881 geboren und machte früh mit seinen drei Brüdern Musik, beherrschte dabei zahllose Instrumente. Die nun veröffentlichte Publikation enthält auch bislang unbekannte Stücke, für Nandlstadts Kulturreferenten Rainer Klier ein“ Glücksfall“. Er hatte sich für dieses Ergebnis ganz besonders eingesetzt, zusammen mit dem Volksmusikexperten Schorsch Reindl die Echtheit überprüft und mit weiteren Fachleuten und Unterstützern - auch der Marktgemeinde - die Herstellung und Veröffentlichung umgesetzt. Mit „großen Augen wie a kloana Bua“ sei der Reindl Schorsch bei der Ausstellung zur 1200 Jahr-Feier vor dem Heftchen gestanden, und da habe Klier erstmals vermutet, welchen Schatz er hier vor sich hat. Mit der 30 Jahre lang verschwundenen Sammlung soll nun die lokale Volksmusik nachhaltig gefördert werden.

Quelle: freising-online

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