Nicht alltägliche Handarbeit

Sepp Bauer und sein Riesen-Alphorn

Gerade so hat es Platz in seiner Werkstatt: Schnitzer Sepp Bauer mit seinem handwerklichen Meisterwerk.

Sepp Bauer aus Nandlstadt macht Musik: Das Baritonhorn spielt er passioniert und virtuos. Sein Traum aber seit Jahrzehnten: Ein Alphorn! Nur: Wie soll er an eines der höchst wertvollen Instrumente kommen? Bauers Lösung ist denkbar einfach: Er baut es sich selbst!

Es ist ein nicht gerade alltägliches Bild: Sepp Bauers kleine Enkelin und das riesige Alphorn. Das Mädchen kann das erstaunlich leichte über vier Meter lange Instrument nicht nur einwandfrei halten, sondern bringt auch erstaunliche Töne heraus. Ihr Opa - passionierter Baritonhornspieler - tut sich etwas einfacher mit dem Ultra-Blasinstrument und hat sich damit einen Lebenstraum erfüllt: „Mit Mitte 20 war ich in der Schweiz und habe erstmals Alphörner erlebt. Das hat mich fasziniert!“ Lange hat Bauer den Gedanken, sich eines der Riesenhörner zuzulegen, gespielt. In München hat der Nandlstädter viele Jahre wieder eines gesehen - 21 Meter lang und im Guiness Buch der Rekorde. „Das wär was“, fand er und erkundigte sich im Rahmen eines Münchner Christkindlmarkts in der Residenz („wenn die geblasen haben, hat‘s mir die Haare aufgestellt“), auf dem er ausstellte, bei zwei teilnehmenden Alphorn-Gruppen über das Instrument - und woher er ein qualitativ gutes bekommen können. Ein kurzer Blick in Bauers Hütte - und der Geistesblitz: „Das kannst Dir doch selber machen“, so der Rat des Spezialisten. Sepp Bauer ist Schnitzer! Große und kleine Ergebnisse fertigt er professionell an - aber ein Alphorn? Im 16. Jahrhundert ist das erste Instrument dieser Art aus der Schweiz überliefert - damals haben sich die Menschen via Alphorn von Berg zu Berg verständigt. Und nun setzt Bauer diese Tradition in Nandlstadt fort. Die Suche nach dem perfekten Holz gestaltete sich durchaus anspruchsvoll, denn der Baum muss - analog zur Form des Instruments - schräg nach oben wachsen. Die Suche führte Bauer in den Bayerischen Wald und ins Allgäu, und als er fündig wurde, sagte er sich: „So, jetzt packstas!“ Per Kettensäge wurde die gefundene Tanne grob zugeschnitten, die Rundungen der nur sechs Millimeter dünnen Wände fertigte der Schnitzer in Handarbeit: Längs auftrennen, aushöhlen, immer wieder abtasten, dazu das Endstück aus Kirschholz anfertigen, und das Mundstück erforderte nochmals die maximale Genauigkeit. Das hat er aus Bischofswiesen geholt. „Es war eine Heidenarbeit“, sagt Bauer und wiegt das Alphorn in der Hand. „Gut 120 Stunden hat es schon gedauert.“ Auch wenn das Unikat natürlich unverkäuflich ist - auf rund 5000 Euro würde Bauer den Wert durchaus beziffern. Es misst stattliche 4,10 Meter, gut ein Drittel länger als das übliche Horn, das auf eine F-Stimmung ausgelegt ist. Bauer bläst in „Es“. „Jetzt gibt es das Alphorn nicht mehr nur in den Bergen, sondern auch in der Holledau“, lacht er und bläst energisch hinein: „Ja, da brauchst Du viel Luft und Training für Lippen und Zunge“, sagt er. Bauer hat‘s aber drauf, vor gut einem Jahrzehnt war mit seinem Bariton-Horn auch mit den „Nandlstädter Spätzündern“ unterwegs. Heuer wird er erstmals sein Meisterwerk öffentlich zum Einsatz bringen: Es gibt schon erste Anfragen für Hochzeiten oder Christkindlmärkte.

Quelle: freising-online

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