Neuzugänge fürs Stadtarchiv

Das Vermächtnis des Hartmut Binner

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Der Mann mit dem roten Blazer zeigt, was er hat! Hartmut Binner in seinem geheimen Archiv, dessen Inhalt jetzt ins Freisinger Stadtarchiv umzieht. 

Die Zeugen aus 13 Jahren Widerstand Der Zeitpunkt, an die Öffentlichkeit zu gehen, ist Hartmut Binner (Foto) durchaus wichtig: Ein halbes Jahr vor der bayerischen Landtagswahl zeigt der frühere Sprecher des Aktionsbündnisses gegen die Dritte Startbahn, AufgeMUCkt, was er in den vergangenen 13 Jahren gesammelt hat. Die Exponate, die einen 60 Quadratmeter großen Raum füllen, werden nun auf Wunsch des Freisinger Oberbürgermeisters Tobias Eschenbacher ins Stadtarchiv überführt.

13 Jahre lang war Hartmut Binner Sprecher im Aktionsbündnis AufgeMUCkt, und auch heute noch ist er dessen Gesicht. In diesen dreizehn Jahren hat er alles gesammelt und archiviert, was bei den Aktionen von AufgeMUCkt gegen die 3. Start- und Landebahn so anfiel. Dabei ist so viel zusammen gekommen, dass sein Haus zu klein wurde und er gezwungen war, dieses an einem nur wenigen bekannten Ort zu lagern. Auf Wunsch von Oberbürgermeister Tobias Eschenbacher sollen die Materialien der Nachwelt erhalten bleiben und deshalb vom Stadtarchiv übernommen werden. Ein diesbezüglicher Vertrag ist im Augenblick im Entstehen. Zu einer fast konspirativen Pressekonferenz hat Hartmut Binner am vergangenen Dienstag eingeladen. Man traf sich an einem nur den Medienvertretern bekannten Ort, von wo es unter Führung von Binner zu dem geheimen Lagerort ging. Binners Erklärung für diese Geheimniskrämerei ist einleuchtend: „Mir wurde schon einmal angedroht, dass mein Haus abgefackelt wird, und immer wieder werden von uns aufgestellte Plakate zerstört, beschädigt oder gestohlen“. Die Angst, dass auch die umfangreiche Sammlung den Flammen zum Opfer fallen könnte, sieht man ihm an. In dem rund 60 Quadratmeter großen Raum stehen mehrere Aktenschränke gefüllt mit über 50 Aktenordnern. Zu jeder Demonstration, zu jeder Versammlung ein Ordner, in dem schriftliche Unterlagen fein säuberlich aufbewahrt werden. An den Wänden hängen Banner und Poster, die bei über 200 Demonstrationen von den Mitgliedern von AufgeMUCkt mitgeführt wurden. Auf Tischen liegen Postkarten, Flyer und Fotos, die bei den Demonstrationen verteilt wurden. An der Wand hängen auch Trikots und T-Shirts, die Binner bei den Demonstrationen getragen hat; nicht zu vergessen sein rotes Jackett, das zu seinem Markenzeichen geworden ist. Und für diejenigen, die Fluglärm nicht kennen, steht sogar ein Fluglärmgenerator auf einem Tisch. „Wenn ich das so sehe, komme ich mir vor wie ein Bauer, der seine Ernte betrachtet“, betonte er sichtlich stolz und ergänzt: „Mit jeder Faser meines Herzens bin ich seit 13 Jahren im Widerstand gegen die dritte Bahn“. Binner nützt natürlich die Gelegenheit, um erneut gegen den geplanten Bau der 3. Start- und Landebahn, den Flughafenchef und die Bayerische Landesregierung zu wettern. So zitiert er Michael Kerkloh, der kürzlich bei der Veröffentlichung der neuesten Zahlen die vielen Gewitter dafür verantwortlich machte, dass die Flugzeugbewegungen auch weiterhin stagnieren. „Damit mutiert Kerkloh für mich vom bisherigen Lügenbaron von MUC-Hausen zum Startbahnmärchenprinz“. Kerkloh käme ihm vor wie das schreiende Kind im dunklen Wald, weil er sieht, dass ihm die Felle davon schwimmen. Aber auch Ministerpräsident Söder, der ja bekanntlich das Thema 3. Start- und Landebahn aus dem Wahlkampf heraushaben möchte, bekam sein Fett weg. Binner kündigt für den kommenden Wahlkampf eine Kampagne von AufgeMUCkt an, mit der alle betroffenen Menschen erneut zum Widerstand aufgefordert werden soll. Unter den Mottos „Nicht mein Ministerpräsident“ und „Wir lassen uns Bayern nicht versödern!“, will man nicht nur die unmittelbar Betroffenen, sondern auch die Menschen im weiteren Umland des Flughafens erreichen. „Die Regionen um den Flughafen müssen spätestens jetzt aufstehen. Ministerpräsident Söder und seine Gesinnungsgenossen sollen wegen der vielen Aktionen und Plakatierungen sehen und spüren, wie viele Stimmen ihnen im Flughafenumland abhandenkommen werden“. Deshalb hofft er auch, dass auf mindestens jedem zweiten Auto in Freising der Aufkleber gegen die dritte Bahn zu sehen sein wird.

Quelle: freising-online

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